Handlungsbedarf bei wertgeminderten (Gesellschafter-) Darlehensforderungen und anderer Finanzlagen

Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs können Darlehensausfälle zu einem Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen führen. Nach dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2019 wird diese – für den Steuerpflichtigen positive Rechtsprechung – künftig nicht mehr angewendet werden können.

Neben einer Finanzierung über Eigenkapital erfolgt die Finanzierung einer GmbH häufig auch über Gesellschafterdarlehen, wobei diese Finanzierungsform deutlich flexibler ist. Solange die Gesellschaft liquide ist und die Forderung tilgen kann, resultieren hieraus keine steuerlichen Probleme. Anders ist die Lage jedoch, wenn die Gesellschaft „in der Krise“ ihre Rückzahlungsverpflichtung gegenüber dem Gesellschafter nicht mehr nachkommen kann. Nach der mittlerweile überholten Rechtsprechung führte ein Darlehensausfall dann zu Anschaffungskosten auf die Beteiligung, womit der Vermögensverlust beim Gesellschafter zumindest beim Verkauf der Anteile steuerlich berücksichtigt werden konnte.

Diese Rechtsprechung wurde durch den Bundesfinanzhof aufgegeben. Nach dem grundlegenden Urteil des Bundesfinanzhofs vom 24.10.2017 stellt der Ausfall der Darlehensforderung einen steuerlich anzuerkennenden Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen dar (§ 20 EStG). Dieser kann zeitlich auch vor Veräußerung der Gesellschaftsanteile Berücksichtigung finden und ggf. einkunftsartenübergreifend verrechnet werden. Sofern das Darlehen

  • vollständig ausfällt, entsteht der Verlust in Höhe des Nennwerts der Forderung
  • teilweise ausfällt, entsteht der Verlust in Höhe der Differenz zwischen dem Rückzahlungsbetrag und dem Nennwert der Forderung

Diese vorteilhafte Rechtslage soll mit dem Jahressteuergesetz 2019 nun abgeschafft werden. Nach dem Referentenentwurf vom 08.05.2019 soll durch eine Änderung von § 20 EStG künftig die ganz oder teilweise Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung oder die Übertragung von wertgeminderten Kapitalforderungen auf Dritte nicht mehr zu einem steuerlichen Verlust führen. Die neue Rechtslage soll ab dem 01.01.2020 Anwendung finden, weshalb für wertlose oder wertgeminderte Darlehensforderungen akuter Handlungsbedarf besteht. Der Vermögensverlust sollte noch in diesem Jahr realisiert werden, etwa mit einer Übertragung der Darlehensforderung auf einen Dritten. Gleiches gilt auch für Schuldverschreibungen, Anleihen sowie die Ausbuchung wertloser Aktien und anderer Finanzprodukte wie beispielsweise Zertifikate.