Handlungsbedarf bei wertgeminderten Kapitalanlagen im Privatvermögen

Aufgrund der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes ist es aktuell möglich, für uneinbringlich gewordene Kapitalforderungen, wertlos gewordene Aktien oder auch Anleihepapiere steuerliche Veräußerungsverluste geltend zu machen. Hierfür muss der Verlust realisiert werden, etwa durch eine Veräußerung oder die Ausbuchung aus dem Depot, die einer Veräußerung gleichgestellt wird. Die so erzielten Verluste können mit anderen Einnahmen aus Kapitalvermögen verrechnet oder in andere Veranlagungszeiträume vorgetragen werden. Voraussetzung dafür ist stets, dass die Anschaffung unter dem Besteuerungsregime der Abgeltungsteuer, also nach dem 31.12.2008, erfolgte. 

Durch eine Änderung im Jahressteuergesetz 2019 soll diese Möglichkeit ab dem Veranlagungszeitraum 2020 beseitigt werden. Am 30.07.2019 wurde der Gesetzesentwurf veröffentlicht, der dazu folgende Regelungen vorsieht:

  • Der Verfall von Optionen im Privatvermögen soll steuerlich unbeachtlich sein (§ 20 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 Buchst. a EStG-E). 
  • Der Veräußerungsbegriff wird eingeschränkt. In den folgenden Fällen wird daher kein Veräußerungsverlust realisiert (§ 20 Abs. 2 S. 3 EStG-E):  
    • vollständige oder teilweise Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung
    • Ausbuchung wertloser Kapitalanlagen durch die depotführende Bank
    • Übertragung wertloser Kapitalanlagen auf Dritte sowie 
    • vergleichbare Ausfälle von Kapitalanlagen 

Die vorgenannten Änderungen gelten nur für das steuerliche Privatvermögen, also beispielsweise für private Depots. Für Darlehen und Kapitalanlagen im steuerlichen Betriebsvermögen sind keine Änderungen zu erwarten. Die anstehende Reform wurde in der Fachliteratur zu Recht erheblich kritisiert. So hat auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme vom 20.09.2019 gefordert von der entsprechenden Reform Abstand zu nehmen. Es ist zu befürchten, dass erst kurz vor Jahresende eine Entscheidung über die Reform getroffen wird. Vor dem Hintergrund des geplanten Inkrafttretens zum 01.01.2020 sollten jedoch ggf. bereits rein vorsorglich entsprechende Maßnahmen getroffen werden.